Peter O. Chotjewitz, Tief ausatmen

Der Verbrecher Verlag hat ein wunderbares Buch aus den letzten Gedichten von Peter O. Chotjewitz gemacht. Lyrik lebt ja davon, gut in Szene gesetzt zu werden. Papier, Satz und Zeichnungen ermöglichen eine gelungene Lektüre. Das gelingt dem Verbrecher Verlag und den HerausgeberInnen Güdemann und Sundermeier in diesem Band großartig. Ganz einfach: jedes dreizeilige Gedicht bekommt eine Seite.

Hochsommer

Barfuß es lag ein

Reptil im Staub der Straße

nichts ist vergessen

Chotjewitz‘ Lyrik beißt nicht zu, sie wandert eher zwischen den Gedanken und Bildern, fährt exakt assoziative Routen ab. Wenn Gedichte schon Fragmente bleiben, dann eben richtig. Ich bin verleitet, selbst zu lesen und weiter zu lesen als die Gedichte geschrieben sind.

Obwohl Chotjewitz Details beschreibt, und das sehr zugespitzt und auf Klarheit reduziert, blicken die Fragen, die hinter den Gedichten stehen mögen, durch sie hindurch. Hin und wieder sogar der Tod, die Liebe oder die Gerechtigkeit. Öfter aber etwas wie:

Der Frosch sieht mich an, was für ein Gesicht auf dem, Rand der Zisterne

Klar, das ist keine Frage, sondern eine Feststellung. Aber was für ein Gesicht hat der Frosch denn nun gemacht?

Locker und entspannt kann dieser schöne Band durchblättert werden. Gerade dann stoße ich auf das Unerwartete, wie die Überraschung, wie mit so wenigen Worten alles gesagt werden kann. Fritz Panzer hat dazu gezeichnet, hat Betten, Türen und Pflanzen mit wenigen Strichen an ihren Platz gestellt und den Ausschnitt oder Winkel gewählt, auf den es ankommt. Wie Chotjewitz hat er mit seinem Blick auf die Dinge klargestellt, so dass nur die Frage bleibt, was jetzt eigentlich klargestellt wurde. Krebs zum Beispiel.

Herr der Sommer war

sehr groß alles voll Knollen

Hals Lunge Leber

Oder? Vielleicht bleibt nicht jeder der Dreizeiler hängen, manchen bleibt nur ein Achselzucken vorbehalten. Von Bayreuth blieb nur Buttermilch. Die meisten kann man jedoch genießen und sich in eine Offenheit treiben lassen, die ausnahmsweise einmal ungefährlich wirkt.

Ich liebe Dich

Der Hauch des Abends

unerwartet wie alles

auch deine Haare

Dieses Buch ist in den Regalen der Büchereien wirklich falsch aufgehoben, weil es immer wieder in die Hand wandert und neu beäugt wird. Nicht zu vergessen der Witz:

Unbewohnbar nur, Schotter ich brauche ein Bier

Wo endet der Satz, wo hört er auf? Erst Mal egal, Hauptsache es ist schön und regt an.

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