Nachtrag zu ‚gute Vaterschaft‘

Nachdem in ‚Gute Vaterschaft‘ der Satz

Die Schwangere steht im Vordergrund, wie es ihr geht, wird von nun an signifikant öfter gefragt.

bereits veröffentlicht war, wurde mir klar, dass er weinerlich klingt oder zumindest nach Gemosere riecht. Dieser Eindruck hätte durch ein hinzugefügtes ‚zu Recht‘ zwar leicht wegediert werden können. Aber ich wollte den Satz so stehen lassen und lieber diesen Nachtrag formulieren.

Natürlich wird zu Recht auch der Freund während einer Schwangerschaft öfter nach dem Befinden der schwangeren Freundin gefragt, als zuvor und als nach seinem Befinden. Männer, behaupte ich nun spontan, sind das nicht gewohnt und schauen sich gehörig um, wenn es so scheint, dass ihr Befinden von dem ihrer Frau/Freundin abhängt. Einen wahren Kern enthält dieser Schein ebenfalls.

Zurück aber zum Gejammere und Geheule. So sagt aufZehenspitzen über die ’neuen Väter‘:

Ich bemühe mich wirklich, eure Probleme zu verstehen, liebe (verhinderte) neue Väter. Aber wenn ich ehrlich bin, außerhalb meines privaten Umfelds, scheren sie mich einen Dreck. Denn ihr lebt eure Ängste auf den Rücken der (eurer) Frauen aus. Ihr drückt euch, wovor Frauen sich nicht drücken können. Ich will eure blöden “ich bin gefangen im Rollenbild”-Ausreden nicht mehr hören. Und auch nichts von Männlichkeitsverlustängsten. Oder, dass der Job dann drunter leidet oder eben die Finanzen. Woohoo! Denkt ihr, das ist neu für Frauen, die Mütter sind oder werden wollen? Merkt ihr nicht, dass ihr eine Wahl habt und wir noch immer nicht?

Solches Gejammere nervt in der Tat, insbesondere wenn Vater gewordene Männer sich darüber beschweren, dass es ihnen schwer fällt, zwischen Familie und Beruf zu entscheiden. Als ob das tatsächlich eine Entweder-Oder-Frage wäre. Als ob die Väter keinen Gestaltungsspielraum gegenüber ihren Arbeitgebern oder in ihrem Berufsleben hätten. Als ob tatsächlich Rollenbilder Menschen gefangen nehmen können.

Das enthebt die Männer jedoch nicht, ihre Identitätskrise wirklich durch zu leben zu arbeiten. Wenn es sich schon langsam (viel zu langsam) heraus schält, dass das klassische Rollenbild des abwesenden Geldjägers und Versorgers nicht mehr gelebt werden kann, weil die Mütter auf ihre Rechte pochen und die Väter entdecken, welchen persönlichen Reichtum sie aus einer gute Beziehung zu Frau und Kindern schöpfen können, dann brauchen die Väter neue Entwürfe – gar Utopien? – für das Zusammenleben. Vermutlich bleibt das auch aus feministischer Sicht nicht ganz schnuppe.

Vor allem jedoch sprechen die Tatsachen dagegen, sich als Vater und Mann irgendwelchen finsteren gesellschaftlichen Mächten ausgeliefert zu sehen, den Feministinnen oder einem untätigen Vater Staat. Solche Passivität führt geradewegs in männerrechtliche Gefilde. Online, gerne auf Spiegel-Online, wird gejammert und geunkt, angegriffen und gepöbelt, aber die wichtigen Aufgaben bleiben liegen.

Welche Vaterrolle wird künftig an Ansehen gewinnen und sich durchsetzen? Angenommen, das Begehren der Väter richtet sich auf mehr, als auf Büro, Bankkonto, Auto, Fußballverein und den sonntäglichen Beischlaf, dann wirkt das Begehren auf Kinder, Frau/Freundin, vielleicht Geliebte_n, Spaziergänge, Müßiggang und (Selbst)Gestaltung zunächst verwirrend. Wie soll ich das alles auch noch unter meinen Hut bekommen? Aber irgendwie werden die neuen Väter auch dort wieder Stabilität generieren können. Jeder für sich selbst.

Wie machen das eigentlich alleinerziehende Väter? Und schwule Väter? Mit einer besseren Vernetzung könnten ‚wir‘ uns sicher das eine oder andere Nützliche abschauen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s