Vom Wert der Abwägung

Bin immer mehr der Meinung, dass Meinungen, Aussagen, Behauptungen und Darstellungen mit zunehmender Distanz zwischen Sprechenden und Hörenden abgewogener und vorsichtiger vorgetragen werden sollten. Nur Menschen, die dich gut kennen, können Nuancen wie Augenzwinkern, Selbstdistanz, Hintergrundstimmung oder Provokation gleichsam mit hören. Sie kennen auch die Gegengewichte zu einer Meinung in deinem Weltbild, die das Gewicht der (spontanen) Aussage ins Verhältnis setzen und sie nicht gar zu nackt und glatt exponiert dastehen lassen.

Anders in der breiten Öffentlichkeit, zumal im oft anonymen, aber nicht unpersönlichen Web. Dort wiegen selbst schnell hingehackte Worte und nicht zu ende gedachte Verlautbarungen unheimlich viel und sollten deshalb um so gründlicher apodiktischer Wirkung und allem Begehren nach self promotion entzogen werden.

Solches Handeln und solche Fähigkeiten wären zudem außerordentlich ansteckend und hätten auf diese Weise eine zivilisierende Wirkung in der sogenannten Wissensgesellschaft. Dies gegen die echte Gefahr jeder Demokratisierung (im Sinne von Verbreiterung des Zugangs zur Öffentlichkeit und zur Politik der Gesellschaft): die Reduktion der Verständigung auf Pöbeln und gegen den mageren Versuch der political incorrectness, sich auf der Basis vom Mut zur Nachdenk- und Nachfühlverweigerung Gehör zu verschaffen.

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