Schlagwort: Schwangerschaft

Gute Vaterschaft

Ein solcher Titel verspricht mehr, als der Text einlösen kann. Was ich mir unter einer guten Vaterschaft vorstelle, weiß ich noch nicht. Mein zweites Kind kommt bald zur Welt, mein erstes starb mit dreieinhalb Monaten. Viele Vater-Erfahrungen kann ich nicht vorweg nehmen.

Während der zweiten Schwangerschaft meiner Freundin fielen mir Eigenschaften und Reaktionsweisen an mir selbst auf, die mir neu waren. Bei der ersten Schwangerschaft lag mein Fokus auf der seltsamen und bisweilen fragwürdigen Behandlung, die meine Freundin durch Ärzte, Ärztinnen und Hebammen erfuhr. Jetzt musste ich mir darüber klar werden, wie sehr ich entgegen aller guten Vorsätze vermied, die Vaterrolle selbst zu prägen. Wie prägen sie andere Männer?

Väter wie Malte Welding und Rochus Wolff haben von den ‚modernen‘ Anforderungen an ihre Vaterschaft erzählt. Während Welding Fragen stellt: mache ich alles richtig, kann ich es gar perfekt machen, so dass mein Kind gesund (über)lebt? Konvergieren Realitäten wie Lohnarbeit und Mietzahlungen mit den aktuellen Kindererziehungsmethoden à la ‚zurück zum 24-Stunden-Tragetuch‘?; empfiehlt Wolff

Auch Männer müssen sagen: Ich will Zeit für meine Kinder haben. Wir Männer müssen endlich kapieren, dass man Erwerbs- und Reproduktionsarbeit auch paritätisch teilen kann und dass es unglaublich bereichernd ist, viel Zeit mit unseren Kindern verbringen zu können: Es macht uns zu vollständigeren, glücklicheren Menschen.

— Geärgert habe ich mich über Thomas Gesterkamps Erläuterung der Vätertypen. Alle Typen sind gut, auch wenn sich die einen um Kind und Familie sorgen, die anderen lieber im Hobbykeller verschwinden. So war die Postmoderne nicht gemeint.

Zumindest eins steht fest, die Vaterschaft beginnt mit der Schwangerschaft und wird vielleicht auch schon in dieser Zeit entscheidend geprägt. Wie sich der Vater zur Schwangeren verhält, so wird in etwa auch die Vaterschaft aussehen. Zugewandt oder abgewandt, ängstlich und neugierig, mehr verspielt oder mehr ernst. Die Aufteilung von Berufs- und Hausarbeit spielt hier zwar eine entscheidende Rolle, sagt aber nicht alles aus. Auch wer als Vater und Mann kräftig im Haushalt mithilft, kann sich emotional verantwortungslos fühlen, unter- oder überlegen.

Mit einer Schwangerschaft kommt ein Mann vielleicht zum ersten Man an einen Punkt der wirklichen Ohnmachtsgefühle in seinem Leben. Wenn ich vor allem mich selbst richtig beobachtet habe, geht es nicht so sehr darum, dass die Schwangere letztlich die Kontrolle über das Baby hat. Das stimmt zwar, trifft aber nicht den Kern der Ohnmacht. Da muss der werdende Vater zusehen, wie die Schwangere, wenn denn der Bauch wächst, unverschämt und ungeniert angeglotzt wird, und hat Glück, wenn sie sich zur Wehr zu setzen weiß. Da gibt es all die ärztliche Kontrolle, ein Arbeitsverbot für Kindergärten (wegen der Infektionsgefahr für die Schwangere und das Kind) und eine sich verändernde Perspektive aller Verwandten und Freunde auf die Paarbeziehung. Die Schwangere steht im Vordergrund, wie es ihr geht, wird von nun an signifikant öfter gefragt. Zu diesen Reaktionen der anderen gesellen sich innere Reaktionen des Vaters.

So kann der Vater die mal mehr, mal weniger intensiv auftretenden Schwangerschaftssymptome zu lindern helfen, mehr aber nicht. Alleine das macht ohnmächtig, dazu kommt der Eindruck, den es hinterlässt, in Sachen Kindergebären auf Frauen angewiesen zu sein. Nur die Mutter kann Kinder bekommen, der Vater kann das nicht. Wenn ein Junge in einer Mutter-Vater-Kinder-Familie aufgewachsen ist, wird ihn dieses Wissen schwer beeindrucken. Daher kommt der Begriff ‚womb envy‘ (z.B. bei Catherine Silver oder bei Eva Kittay im Buch „Joyce Trebilcot (Ed.), Mothering, 1984“), der Neid der Männer auf die Fähigkeit der Frauen, in ihrem Körper lebendige Menschen heranwachsen zu lassen, sie zu gebären und in der ersten Zeit zu nähren. Nicht zufällig haben sich einige radikale Feministinnen, wie Shulamith Firestone, für eine Entwicklung künstlicher Reproduktion der Menschen ausgesprochen, um das Feld der Geschlechter verlassen zu können, denn dieser Neid der Männer bildet die Basis für Ohnmachtsgefühle, Ängste, Aggressionen und Gewalt gegenüber Frauen.

Solche Vermutungen mögen reichlich abstrakt klingen, nach natürlichen Gesetzen, wo es doch um Handlungsspielräume geht, oder nach unbeweisbarer Spekulation. Auf den Boden des Gebärneides wird der Vater jedoch gesetzt, wenn er zum ersten Mal den dringenden Wunsch verspürt, die bedürftige Schwangere im Regen stehen zu lassen und bei Übelkeit, Schmerzen und einem Satz wie ‚trägst du mir mal den Rechner rüber‘ das grummelige ’stell dich nicht so an‘ gerade noch für sich behält. Ich bin der Meinung, dass der Stolz des Vaters, seine Freude über das Kind erst dann richtig zur Geltung kommen können, wenn auch diese Seiten seiner Gefühlswelt gewürdigt werden.

Das bisweilen mühsam aufgebaute Kartenhaus der Autonomie in der Beziehung beginnt kräftig zu schwanken, wenn der Vater von anderen mehr als der Freund / Mann / Begleiter der Schwangeren gesehen wird, das Befinden der Schwangeren mehr zu zählen scheint als seines, er der Schwangeren in unangenehmen Situationen beistehen möchte und ihr manche täglichen Gänge abnimmt. Wo bin ich, wenn ich für sie da bin? Leidet der Vater unter einem Gefühl des Machtverlustes oder lernt er dazu? Auf diese Situation reagieren verschiedene Väter natürlich ganz verschieden und bereiten sich dementsprechend auf unterschiedliche Varianten ihrer Vaterschaft, also der Sorge um ein Kind vor.

Für mich war und ist es eine beeindruckende und nicht ganz verarbeitete Erfahrung, durch die Aufmerksamkeit für meine Nächsten die (imaginierte) Fähigkeit zu verlieren, alles machen zu können. Manches an Gewohnheiten, Hobbys und Interessen muss hinten an stehen. Der Vater kann sich nicht einfach in den Hobbykeller zurück ziehen, um Kraft für seine Liebsten zu sammeln – so ein gängiges Märchen -, und er kann das Familienglück auch nicht als Kompensation für den Verlust der Befriedigung seiner Ego-Interessen betrachten. Nicht nur das Bild des Mannes als Herrscher über die Familie, als Tonangeber bröckelt (seit Jahrzehnten), sondern auch das Bild als Vater, Partner, Berufsausübender, Freund im Freundeskreis und Freizeitgenießer in einem wird auf eine harte Probe gestellt. Schon mit der Schwangerschaft werden Zeit und Energie an die Schwangere und das Baby gebunden. Hinzu kommt die Erfahrung des für den Mann Unerfahrbaren: Wie kann meine Partnerin das Kind wachsen lassen und gebären?

Wenn das kein schönes Beispiel für die Potenz von Machtverschiebungen abgibt.

Ich betrachte diese Bemerkungen als einen Hintergrund für weitere Texte, in denen ich einzelne Aspekte herausgreife und unter die Lupe nehme, angereichert mit denen neuen Erfahrungen, die da kommen werden. Vorläufig bleibt das Fazit, dass die Schwangerschaft meiner Freundin auch mich und mein Bild von mir verändert hat. Als Vater bin ich in hohem Maße von der Mutter abhängig und kann versuchen, diese Erfahrungen so in das Bild, das ich von Beziehungen habe, einzubauen, dass sie nicht als Machtverlust gilt, sondern als produktive Verschiebung meiner Prioritäten.

[Edit: ] Hier findet ihr einen Nachtrag.

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Schwangerschaft, Geburt, Hebammen

Schwangerschaft und Geburt – die Sicht des Freundes

Das Wort schwanger erscheint auf dem Display des Schwangerschaftstests, ein hochentwickeltes, kleines Gerät, das aussieht wie ein Fieberthermometer. Manche mögen mit Schrecken, manche mit Freude, andere mit Ungläubigkeit oder Furcht reagieren. Alles wird nicht zuletzt den Stand der Beziehung zwischen Mutter und Vater ausdrücken. Bei mir traten Freude und Unglaube zutage, die Freude überwog bald. Aber ich will nicht eine Geschichte meiner Empfindungen für eine Schwangerschaft schreiben. Was habe ich, was haben wir so erlebt während dieser 9 Monate und jetzt der beiden seit der Geburt? Was hat mir zu denken gegeben?

Entscheidet frau und mann sich dafür, das Kind zu bekommen, folgen eine riesige Menge Arbeit, Aufregung und Ablenkung. Ablenkung vom eigenen Leben, die Sorgen, ob man das Leben, das bis dato da war, weiter führen kann, sind bekannt und eines der besten Argumente, ein Kind nicht zu bekommen. In der Tat, das Leben, wie es vorher war – in einer Szene, in der Arbeit, gerade in der Beziehung – geht vorüber und ein neues fängt an, ohne das etwas zurück kehren würde. Das habe ich erst nach der Geburt erfahren. Hinzu kommen ein paar persönliche Entwicklungen: Viele werden erst mit einem Kind Verantwortung für andere übernehmen, manche auch dann nicht. Viel mehr bedeutet es nicht, erwachsen zu werden, man kann zumindest zeitweise und bei manchen Gelegenheiten von sich absehen und für jemand anderes da sein. Vorher habe zumindest ich alles für mich allein getan: gegessen, geschlafen, gelesen, getanzt, geliebt. Außerdem kommt eine Erkenntnis auf, die pathetisch klingt, auch so bleiben muss und gerade deswegen immer wieder in den Hintergrund rückt. Nichts hat die Bedeutung, wie das Leben des (eigenen) Kindes, buchstäblich nichts die Bedeutung, wie das Leben eines Menschen. Alles andere, ein Haus, eine akademische Arbeit oder der Beruf müssen sich hinten anstellen.

Doch was war eigentlich geschehen? Ein Kind wächst und gedeiht im Körper meiner Freundin heran. Das hat nicht nur Einfluss auf ihr Bild von sich und ihrem Körper, sondern auch ganz einfach körperliche Folgen. Diese gelten, und nun kommt das Entscheidende, als ‚normal‘. ‚Normal‘ sollte das Wort sein, dass ich und wir in dieser Zeit wohl am häufigsten zu hören bekommen werden. Normal sind alle Schmerzen, alle Einschränkungen und die ganze Übelkeit. Frau wird stets darauf hingewiesen, dass sie, das Kind in Aussicht, diese Dinge ertragen muss. Gefühlt wird nur ganz wenig in Schwangerenmedizin erprobt und bemüht. Hier liegen die Entwicklungen brach, weil zumindest in Deutschland die Medizin und alle angrenzenden Berufe, die mit der Schwangerschaft zu tun haben, die Natürlichkeit entdeckt haben.

Die Schwangerschaft und die Geburt rufen massive Schmerzen und andere Leiden hervor, aber so groß das Kinderkriegen inzwischen wieder geschrieben wird, eine adäquate Reaktion darauf bleibt aus. Die allgemeine Freude bricht sich Bahn, zu Recht, aber weder Menschen, die einem im Alltag begegnen, noch Institutionen reagieren wirklich auf die Probleme des Kinderkriegens. Zum Beispiel schränkt die Schwangerschaft die Arbeitskraft und -lust mancher Schwangeren erheblich ein, aber einen Ausgleich, eine finanzielle Unterstützung, gar eine zweimonatige Kur gibt es dafür nicht. Die Wochen des sogenannten Mutterschutzes beschränken sich auf 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt. Eine richtige Anerkennung der Arbeit und Leistung, ein Kind zu gebären, fehlt, besonders in finanzieller Hinsicht. Das gerät zur entscheidenden Frage an alle Einrichtungen und auch politischen Entscheidungen in diesem Feld (Krankenkassen, Bezirksämter, Jugendämter, Arbeitsämter, Arbeitgeber ohnehin): Werden tatsächlich die schwangeren Frauen als solche, als aktive, tätige und gleichzeitig Schmerzen erleidende wahrgenommen, gestützt und entschädigt? Oft einfach nicht.

Kontrolle findet hingegen ständig statt. In Österreich sind die Voruntersuchungen Pflicht (wer sie versäumt, erhält im Anschluss weniger finanzielle Unterstützung), in Deutschland die U1-9, die Untersuchungen des Kindes nach der Geburt bis zum schulpflichtigen Alter im Hinblick auf körperliche Gesundheit und Entwicklung. Alle queere und Gender-Theorie hat es längst behauptet, die Fortpflanzung geriet zu dem entscheidenden Feld der Politik, die sich um die Erhaltung der Gattung, der Nation und des Staatswesens in Form des menschlichen Nachwuchses kümmert. Das kann man Bio-Politik nennen, es bleibt eine patriarchale Politik, die von Männern über Frauen bestimmt und ausgeübt wird. Was diese Theorien aber verhältnismäßig selten betonen, ist, dass Bio-Politik nicht einfach um das Leben, um den Körper oder Volkskörper dreht, sondern dass es um konkrete Individuen in ihrer erlebten Subjektivität geht, dass Menschen öffentliches Gut werden, nur weil sie ein Kind bekommen wollen, und dass dies das eigentliche Verbrechen dieser Politik und Praktiken darstellt. Medizinische Hilfe findet auf einer ganz anderen Ebene statt, als das, was frau als Kontrolle erlebt. Bei einem Routinescan war ich dabei. Der Arzt, vielleicht ein besonderer Fall, erklärt nur das, was gemäß den Regeln zu erklären ist, fragt entsprechend welche früh erkennbaren Schäden man wissen möchte und welche nicht. Über mehr wird nicht gesprochen, über die Art der folgenden Behandlung nicht, über die Schmerzen, die er der Schwangeren beim Drücken und Schieben des Bauches zufügen wird, über die persönliche Situation schon gar nicht. Auf die Frage, welcher Kaffeekonsum wohl empfohlen wird, folgt eine Moralpredigt, dass Frauen, wenn sie sich schwanger einem Laster verschreiben, auch die Folgen zu tragen haben. Abwehrende und machtsichernde Moral statt zu verstehen, das andere Subjekt zu verstehen, das kristallisiert sich als Muster der Behandlung Schwangerer heraus.

Als ein Musterfall von Ideologie stellt sich dann die Hebammenkultur in ihrem Umgang mit Schwangerschaft und Geburt heraus. Nur die natürliche, die spontane Geburt gilt in Deutschland als angemessen und einer schwangeren Frau würdig. Alles andere wird mit bohrenden Fragen quittiert, der Wunschkaiserschnitt braucht nach wie vor eine Diagnose zur Indikation, wenn physische Gründe ausscheiden, bleibt nur die Angst vor Geburtsschmerzen. Diese gehören zur Schwangerschaft wie das Amen in die Kirche, die Frau kann sie ertragen und wer das nicht will, wird von Hebammen in die Mangel genommen. Sehr wahrscheinlich nicht von allen, vielleicht hatten wir nur Pech, aber eine Tendenz meine ich doch verspürt zu haben, was auch jeder Blick in ein Schwangerschaftsforum im Internet bestätigt. Vielleicht hat es einst viel Sinn gemacht, die Frauen aus der Vorherrschaft der männlich geprägten Medizin zu befreien, als die Geburt noch von den männlichen Ärzten, nicht von den Frauen durchgeführt wurde. Heute muss die Frau alles selbst machen, am besten zu Hause, ohne jede Betäubung, um möglichst alles zu spüren. Also auch alle Schmerzen. Es bleibt nur die Erkenntnis, wie sie meine Freundin formulierte: Um die Geburt kommt man nicht herum. Schmerzen während und nach der Geburt sind tatsächlich normal, Schmerzen von einem solchen Ausmaß, dass jede Frau sie verdrängen muss, will sie noch ein Kind bekommen oder sich über das Kind selbst freuen.

Männer und Väter wollen inzwischen ‚dabei sein‘, so auch der Titel der wirklich nicht schlechten Broschüre des zuständigen Bundesministeriums: „Ich bin dabei! Vater werden“ Sie lässt zwar Vaterschaften von Schwulen, von Armen und Vätern mit psychischen Problemen aus, im Übrigen bewegt sie sich auf der Höhe der Zeit. Männer sind endlich mal für die Frauen da und sehen dies auch endlich ein; Schwangerschaft und Geburt bedeuten harte und unvertretbare Arbeit für die Frauen, wegen derer sie jede Unterstützung verdienen. Eine der Einsichten aus der Zeit kurz nach der Geburt zur Veranschaulichung: Wenn die Mutter das Baby stillt, stellt sich eine besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind ein, die in dieser Form und Ausprägung für den Vater einfach nicht zu haben ist. Väter können nicht säugen, die Flasche ersetzt das nicht. (Was gar nicht gegen die Flasche spricht.) Mir kam die Idee, dass diese Privilegierung in Sachen Beziehung zum Kind viele Männer früh zum Aufgeben und Einschnappen bringt – dann-lass-ichs-eben-sein. So entstand und ensteht immer wieder neu die Mär von der Emotionalität und Beziehungsfähigkeit der Frauen, von den Mängeln der Männer in eben diesen Bereichen, die sich notgedrungen auf Vernunft und Geldverdienen zurück ziehen, beleidigt wohlgemerkt, und mit dem Wunsch, diesen Mangel durch Kontrolle dessen, was die Frau dort tut, wieder wett zu machen. It is the jealousy, stupid! Männer hätten gerne eine innige Beziehung zum Kind, sehen aber den Vorsprung der Mutter, sprich eigenen Frau oder Freundin, und ziehen sich enttäuscht zurück, ohne auf Ausgleich zu warten und zu pochen, ohne sich trotz dieses Unterschiedes zwischen stillenden Müttern und zusehenden Vätern um Nähe zum Kind zu bemühen.

Vielleicht erzählt das aber auch nur eine ganz persönliche Geschichte, und damit bin ich vorläufig am letzten Punkt. Warum schreibe ich das alles, warum, zumindest bewusst, auch stellvertretend für meine Freundin, die Wichtigeres zu tun hat? Ist es die männliche Rationalisierung emotionaler Überwältigung? Ist es der Versuch, die eigene Unfähigkeit, sich konkret und in jeder notwendigen Situation um die schwangere Freundin und später das Kind zu kümmern, zu kompensieren? Wiederhole ich das Schema, die Mütter haben sich verantwortlich um die Wirklichkeit und die dortigen Nöte zu kümmern, während Väter in die weite Welt fliehen dürfen? Das trifft es sicher. Lieber den Schein von Macht über andere, die vermeintlich oder tatsächlich Fehler machen, als sich mit der Arbeit von Mensch zu Mensch schmutzig zu machen. Das ist mein Problem, das Problem vieler Väter – und doch bleibt das alles, was ich hier versuchsweise ausgedrückt habe, ein unheimlich unbearbeitetes Problem, es wenigstens zur Sprache zu bringen, bringt die Dinge schon einen Schritt in die richtige Richtung.